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Das Leben der drei großen Religion miteinander
Inhaltsverzeichnis
Die Vergangenheit
Das Christentum
Das Judentum
Der Islam
Vergleich der drei Religionen
Das Verhältnis des Christentums zu anderen
Religionen und Volksgruppen zur Zeit der Kreuzzüge
Die Gegenwart
Projekt Weltethos 1997
Was ist Weltethos ?
Wer ist Hans Küng
Das Projekt Weltethos im August
1997
Die Idee
Das Camp
Das Camp aus der Sicht eines Juden
Anlagen
Grafik : Ausbreitung des Christentums
Grafik : Vertreibung der Juden
Quellen Zeitschrift „Provo 3/97“
Der Knauer
Bertelsmann Universallexikon 1997
Internet
Die
Vergangenheit
Das
Christentum
![]() Als religiöse Überzeugung des einzelnen
Christen ist das Christentum im wesentlichen der Glaube an einen
persönlichen, dreieinigen Schöpfergott, an die Sündhaftigkeit des
Menschen und seine Erlösung durch Christus, der der Welt Gott als liebenden
Vater offenbarte und sich selbst als Sühneopfer für die menschliche
Schuld darbrachte. Weitgehend wird dabei Christus als Gott (>Gott-Mensch<)
aufgefaßt. Damit verbunden ist die Unterwerfung unter die Gebote Gottes,
die sich in der Heiligen Schrift (Bibel) oder unmittelbar in mystischen
Erlebnissen kundtun, oft auch unter der Autorität der Kirche. Die
Erlösung des einzelnen geschieht aus göttlicher Gnade; ob der Mensch
zu ihr beitragen kann, ist umstritten. Sie gipfelt im vollkommenen Glück
der ewigen Anschaung Gottes nach dem Tode bzw. der Auferstehung; umgekehrt gibt
es für den Bösen eine ewige Strafe in der Hölle. Als Inbegriff
des gemeinsamen Glaubenskerns der zahlreichen, im einzelnen mehr oder weniger
verschiedenen christlichen Konfessionen stellt das Christentum eine der
großen Weltreligionen dar (gegenwärtig etwa 1,5 Mrd. Mitglieder).
Innerhalb des Christentums ist der römische Katholizismus die
größte geschlossene Kirche (rund 800 Mio. Gläubige). Er erhebt
zugleich am entschiedensten den Anspruch, die einzige rechtmäßig
überlieferte Form des Christentums zu sein. Andere bed. christliche
Konfessionen sind der Protestantismus (insgesamt 310 Mio. Gläubige). In
jüngster Zeit werden Versuche unternommen, die auf eine Vereinigung des
Christentums abzielen (ökumenische Bewegung.
Das Christentum entstand im 1. Jahrhundert n. Chr.
(Urkirche). Entscheidend für seine Ausprägung waren neben der
Lehrtätigkeit Jesu und des Apostels Paulus vor allem die
jüd.-alttestamentaliche Tradition, die hellenistischen Geisteswelt und
vorderorientalische religiöse Bewegungen. Sehr bald bagann eine intensive
Missionstätigkeit. Unter den zahlreichen theologischen Schriften des 1. und
2. Jahrhunderts wurden später 27 als Neues Testament zusammengefaßt
und zur Glaubensquelle des Christentums (neben der kirchlichen Autorität)
erklärt. Darüber hinaus gewann das Christentum besonders durch die
Konzile an innerer Klarheit. Nach außen konnte es sich trotz
anfänglichen Schwierigkeiten (Christenverfolgung) immer weiter ausbreiten
und im römischen Reich allmählich durchsetzen; unter Theodosius wurde
es römische Staatsreligion. Im lat. Westen erfolgte, gefördert durch
den staatlichen Zusammenbruch infolge der Germaneneinfälle, eine
Zentralisierung mit der Durchsetzung des Primats des römischen Bischofs. Im
Mittelalter wurde das Christentum zur beherrschenden religiösen Macht und
hatte an der Ausbildung der abendländischen Kultur, aber auch an der
politischen Entwicklung in Europa maßgeblichen Anteil. Allerdings entstand
die erste große innerkirchliche Spaltung durch den Bruch zwischen
römischer und lat. Kirche (Schisma von 1054), der im 16. Jahrhundert die
Verselbständigung der prot. Kirchen folgte. Mit Beginn der Neuzeit
beteiligte sich das Christentum an der Kolonialisierung in Amerika, Afrika,
Ozeanien, wo sich eigenständige Kirchen, meist im Minderheitenstatus,
bildeten.
Das
Judentum
![]() Das Judentum hält an bestimmten Grundlehren fest:
Gottes Einheit und Einzigkeit. Der Mensch steht Gott ohne Mittler
gegenüber, die Welt ist Gottes Schöpfung. Ihr Sinn ist die
Verwirklichung des Guten. Gott hat seinen Willen offenbart, er ist der
Gesetzgeber und Fordernde, der Maßstab des Sittlichen. Der Mensch ist
selbständige sittliche Persönlichkeit. Ziel der Menschheit ist das
messianische Gottesreich des Friedens, der Liebe und der
Gerechtigkeit.
Charakteristisch für das Judentum ist, daß
nicht ein Glauben Mittelpunkt der Frömmigkeit ist, sondern das Tun. Die
Form seiner Frömmigkeit ist der Gehorsam gegenüber dem göttlichen
Gebot. Quelle des Judentums ist das Alte Testament, besonders die Thora (5
Bücher Mose). Dazu tritt der Talmud, der die Verhandlungen über die
Anwendung der Bibel auf das tägliche Leben enthält und um 500 n. Chr.
abgeschlossen war.
Im jüdischen Leben hat der synagogale Gottesdienst
einen zentralen Platz. Beschneidung als Bundeszeichen, strenge Beachtung
ritueller Reinheitsvorschriften, Speisegesetze u. a. gelten als
kultisch-zeremonieller Ausdruck des Gehorsams gegen Gott. Neben dem Sabbat
werden u. a. vier große Feste des Jahres gefeiert: Pessach oder Passah als
Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, Schawuot
(Wochenfest) als Erinnerung an die Gesetzgebung am Sinai, Sukkot
(Laubhüttenfest) als Erinnerung an den Wüstenzug, Jom Kippur als Tag
der Versöhnung.
Der Erzvater Abraham wanderte angeblich um 2000 v. Chr.
aus Ur in Mesopotamien nach Palästina ein. Um 1220 v. Chr. befreite Moses
semitische Fronarbeiter aus der ägyptischen Knechtschaft und führte
sie in die Wüstensteppe zwischen Ägypten und Südpalästina.
Hier schloß er sie mit anderen verwandten Stämmen in der Verehrung
Jahwes zu einer Kultgemeinschaft locker zusammen. Diese Halbnomaden sickerten
friedlich oder drangen gewaltsam in kleinen Verbänden in das Kulturland
Kanaan ein. Ergebnis dieser Landnahme war die Bildung des sakralen
12-Stämme-Verbands Israel. David (1004-965 v. Chr.) gelang es, die bis
dahin ohne politischen Zusammenhang lebenden Nord- und Südstämme in
einer Doppelmonarchie zu vereinigen und die kanaanäischen Stadtstaaten
(Jerusalem u. a.) in sein Reich einzugliedern; außerdem unterwarf er
einige Nachbarvölker (Ammoniter, Moabiter, Edomiter, Philister). Die alten
Gegensätze zwischen den Stämmegruppen führten nach dem Tod
Salomos, des Nachfolgers Davids, zur Spaltung des Reichs (926 v. Chr.) in zwei
selbständige Staaten, Israel im Norden (Hauptstadt Samaria) und Juda im
Süden (Hauptstadt Jerusalem, unter der David-Dynastie). Israel verlor
bereits 721 v. Chr. seine Selbständigkeit und wurde als Provinz in das
neuassyrische Reich eingegliedert. Juda konnte als Vasall der Assyrer und seit
605 v. Chr. der Neubabylonier seine Eigenstaatlichkeit erhalten, bis es nach
mehreren Aufständen 587 v. Chr. als Staat liquidiert wurde. Die durch
zweimalige Deportation (597 und 587 v. Chr., Babylonische Gefangenschaft) nach
Babylonien verpflanzte Oberschicht Judas konnte ihre religiöse und
ethnische Eigenart bewahren. Ein Teil der Deportierten machte von der
Heimkehrerlaubnis des Perserkönigs Kyros (538 v.Chr.) Gebrauch und begann
mit dem Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels (vollendet um 515 v. Chr.).
Die in Babylonien verbliebenen Juden, z.T. durch Handel
reich geworden, unterstützten den Wiederaufbau der Heimatgemeinde. –
Die Herrschaft über Palästina ging 198 v. Chr. von den
ägyptischen Ptolemäern auf die syrischen Seleukiden über. Gegen
sie richtete sich der Aufstand der jüdischen Makkabäer (Beginn 166 v.
Chr.). 63 v. Chr. kam Judäa endgültig unter die Herrschaft der
Römer (Scheinkönigtum Herodes' des Großen). Der jüdische
Aufstand 66–70 n. Chr. endete mit der Zerstörung Jerusalems durch
Titus und dem Verlust der letzten Reste politischer Autonomie. Die Erhebungen
gegen Trajan 116/17 und unter Bar Kochba gegen Hadrian 132–35 führten
schließlich zur Vertreibung des größten Teils der
jüdischen Bevölkerung aus Jerusalem. Nach dem Untergang des
jüdischen Staatswesens begann die Massenzerstreuung der Juden über
Vorderasien, Nordafrika und den Mittelmeerraum. Mit den römischen Legionen
kamen sie bis nach Gallien, England und Deutschland, wo sie z. T. auch nach
Abzug der römischen Truppen zurückblieben.
Mit den Kreuzzügen setzt die große Welle der
Judenverfolgungen im Abendland ein, die im ganzen Mittelalter nicht mehr
abrissen. Da die Juden keinen Zugang zu den bürgerlichen Berufsständen
hatten, blieben sie auf Handel und Geldverkehr beschränkt, die aber auch
schon vorher ihr Haupterwerb in den westeuropäischen Gebieten waren. Sie
blieben auf bestimmte Stadtbezirke beschränkt (Getto) und mußten sich
in der Kleidung von den christlichen Bewohnern unterscheiden (Judenhut, gelber
Fleck). Trotzdem verfügten sie infolge ihrer weitreichenden internationalen
Verbindungen über Handels- und Finanzbeziehungen, die sie immer wieder zu
unentbehrlichen Sach- und Geldlieferanten der noch unentwickelten
Staatswirtschaft machten. Dagegen lebten die hauptsächlich in Polen und
Galizien ansässigen Ostjuden vielfach in drückenden
Verhältnissen, meist als Handwerker, oft von Pogromen heimgesucht. Deswegen
setzte von hier aus eine im 19. und 20. Jahrhundert stark anwachsende
Auswanderung ein. Im Gegensatz zur Emanzipationsbewegung der
Aufklärungszeit, die darauf ausging, das Judentum möglichst in seinen
Gastvölkern aufgehen zu lassen (häufig unter Übertritt zur
christlichen Religion), stand auf jüdischer Seite eine orthodoxe Richtung,
die entweder eine Assimilation unter Beibehaltung des Glaubens der Väter
anstrebte oder dies seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts ablehnte (Zionismus)
und die Erhaltung der überkommenen Substanz durch die Wiedererrichtung
einer eigenen jüdischen Heimstätte in Palästina zum Ziel hatte
(Israel).
![]() Der
Islam
![]() Der Islam ist eine von Mohammed gestiftete
Weltreligion, die sich als Vollendung der jüdischen und christlichen
Religion versteht. Der Islam ist monotheistisch und kennt nur die unbedingte
Ergebung (Kismet) in den Willen Allahs, der als absoluter Herrscher angesehen
wird. Die religiösen Glaubenssätze und Pflichten sind genau
festgelegt; zu ihnen gehören die »5 Pfeiler«: 1.
Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein
Prophet; 2. Gebet: fünfmal am Tag, kniend auf öffentlichen Anruf hin,
in ritueller Reinheit; 3. Almosengeben; fast zu einer geregelten Steuer
ausgebildet; 4. Fasten: 30 Tage im Monat Ramadan von Sonnenaufgang bis
-untergang; 5. Wallfahrt nach Mekka (Haddsch): mindestens einmal im Leben. Das
hl. Buch des Islam ist der Koran; in ihm ist Mohammeds Lehre, die von den
Anhängern des Islam als geoffenbarte Wahrheit betrachtet wird, in Suren
niedergelegt. Neben dem Koran bildete sich aus mündlichen
Überlieferungen über Mohammeds Entscheidungen und Verhaltensweisen in
konkreten Fragen und Situationen die Sunna. Die Einschätzung der
Wichtigkeit der Sunna neben dem Koran ist das unterscheidende Kennzeichen
für die Sunniten (ca. 90% der Moslems) und die Schiiten (ca. 10% der
Moslems). Die Gesamtzahl der Moslems beträgt schätzungsweise 700 Mio.
bis 1 Mrd.
Seinen Ausgang nahm der Islam in Mekka, wo die Kaaba,
das arabische Nationalheiligtum, unter dem Schutz der Koreischiten stand. Diesem
Stamm gehörte Mohammed an; 622 mußte er sich dem Zugriff der
Koreischiten durch die Auswanderung (Hedschra) nach Medina entziehen. Von hier
aus verbreitete er seine Lehre, und bald konnte er mit kriegerischen Mitteln
Mekka zurückgewinnen und die Kaaba zum äußeren Mittelpunkt des
Islam machen. Nach dem Tod Mohammeds breiteten seine Nachfolger (Kalifen) in
langen Kämpfen den Islam aus.
Der Islam ist heute die herrschende Religion im Vorderen
Orient, in Nordafrika, Pakistan, Irak, Iran, Indonesien. Die Rückbesinnung
auf die alten islamischen Traditionen (Reislamisierung) bestimmt Politik,
gesellschaftliches und kulturelles Leben. Sie wird im wesentlichen von den
Traditionalisten (besonders Saudi-Arabien) und den Fundamentalisten (besonders
Libyen) getragen. Während die Traditionalisten entschieden für die
Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung eintreten unter
Zurückdrängung westlicher Einflüsse, streben die Fundamentalisten
die Zerstörung dieser Ordnung an und die bedingungslose Rückkehr zum
frühislamischen Gesellschaftssystem. Es geht den Fundamentalisten um die
Restauration des gesamten islamischen Religions- und Staatssystems. Sie sind
eine entschieden revolutionäre, radikale, sendungsbewußte und
öffentlichkeitswirksame Minderheit (deutliches Beispiel die Islamische
Republik Iran).
Vergleich der drei
Religionen
Das Verhältnis des
Christentums zu anderen Religionen und Volksgruppen zur Zeit der
Kreuzzüge
1. Die Moslems
Die Christen waren den Moslems von offizieller Seite her
eher negativ eingestellt. So äußerte sich Papst Urban II. über
das islamische Volk: " (Es) hat die dortigen (christenlichen) Länder
besetzt, durch Mord, Raub und Brand entvölkert." Jedoch hatte diese
Einstellung weniger religöse als diverse politische und wirtschaftliche
Gründe. Ferner ist anzunehmen, daß eine Ausbreitung des Islam
verhindert werden sollte, um den Kontinent Europa als christlichen zu festigen.
Obgleich dieser Denkweise waren Einzelpersonen den Moslems auch wohlgesonnen. So
handelte beispielsweise Friedrich II. einen Vertrag mit den Kalifen aus, der
besagte, daß Jerusalem für die Christen etwa zehn Jahre frei
zugänglich sei. Auch durften Moslems ihr Land unter der Herrschaft von
Franken bestellen, zahlten so auch Steuern. Ein eher unfreiwilliger Effekt
geschah mit dem Kontakt des Islam: Es kam zum Kultur- und Bildungsaustausch, der
wissentschaftliche Schwerpunkt verlagerte sich wieder auf
Europa.
2. Die Juden
Auch von den Juden hielten die Christen nichts.
Während des ersten Kreuzzuges kam es zur ersten europaweiten
Judenverfolgung. Gründe hierfür waren, daß ehemals jüdische
Händler für den Warentransport zwischen dem Orient und Europa
notwendig waren. Jedoch kamen mit der Zeit auch christliche Händler hinzu,
wodurch die Juden entbehrlich wurden und so von den herkömmlichen Berufen
ausgeschlossen wurden, weshalb sie sich immer mehr dem Geldverleih widmeten. Sie
durften hierfür auch Zinsen verlangen, das den Christen streng untersagt
war. So wuchsen manchem Christen die Schulden über den Kopf. Der Haß
auf die Juden lag also eher beim Volk, das die Juden später in einer Art
Sündenbockrolle sehen wollte. Sie wurden unter anderem auch für die
Pest verantwortlich gemacht.
3. Die Katharer
Zu den Katharern, einer religiösen Volksgruppe,
hatte die katholische Kirche gewisse Antipathien. Sie kritisierten zunehmend die
Kirche insofern, daß sie eine weltliche Organisation sei, d. h. sie
besaß einen großen Reichtum und viel Macht. Forderungen nach einer
geistlicheren Kirche wurden wach. Die Katharer fechteten auch diverse "Rituale"
der Priester an. Beispielsweise behaupteten sie, daß das Taufwasser allein
die Seele nicht retten könne, sondern nur der Glaube, oder tadelten,
daß gegen eine Bezahlung die Sünden eines Menschen erlassen wurden.
Die Kirche ignorierte diese Vorwürfe und stellte die Katharer als vom
Teufel besessene Menschen dar. Dadurch kam es auch zu verschiedenen
Ketzerverfolgungen, die im 14. Jahrhundert stattfanden.
4. Fazit
Es entwickelte sich im übrigen eine Feindschaft
zwischen den Christen, die einerseits Anhänger der orthodoxen Kirche, die
ihren Ursprung im oströmischen Reich hatte, und Anhänger der
katholischen Kirche waren. Diese Rivalität verfloß allerdings bei der
Eroberung Jerusalems durch den Islam wieder, da man sich einig war, gemeinsam
die Moslems zu bekämpfen. Abschließend ist als Fazit zu sagen,
daß das Christentum fast jeder Religion oder religiösen
Splittergruppe abgeneigt gegen überstand, da sie entweder Privilegien
genießen durften, die den Christen vorenthalten blieben (Juden: Zinsen),
oder die Kirche energisch kritisierten (Katharer). Ferner waren auch diversere
Gründe für Antipathien verantwortlich. Ob sie nun auf
wirtschaftlicher, politischer oder religiöser Basis standen, blieb
letztendlich nicht entscheidend.
Die
Gegenwart
Projekt „Weltethos
1997“
Was ist Weltethos ?
Weltethos ist eine Idee, die ähnlich wie die
Friedensbewegung oder die Umweltschutzbewegung die ganze Welt erfassen und
verändern will. Weltethos will die Menschen zur inneren, ethischen Umkehr
bewegen. Dieses weltweite Ethos, es wurden vier sogenannte
„unverrückbare Weisungen“ festgesetzt, auf die die Menschheit
verpflichtet werden soll. Diese Weisungen fordern:
Verabschiedet wurden diese sogenannten
unverrückbaren Weisungen vom Parlament der Weltreligionen, das sich 1993 in
Chicago traf. Erstmals hatten sich dort Vertreter aller Weltreligionen auf ein
gemeinsames Weltethos verständigt. Geschrieben wurden diese Weisungen in
Chicago unter der Federführung von Hans Küng.
Wer ist Hans Küng ?
H
ans Küng wurde am 19.3.1928 in Sursee, Luzern
gebohren. Er ist ein schweizerischer katholischer Theologe. Seit 1960 Professor
in Tübingen, Konzilstheologe. 1979 wurde ihm vom Vatikan die kirchliche
Lehrbefugnis entzogen, da er seine vom Lehramt angefochtenen Thesen nicht
widerrief. Seitdem war Küng bis 1996 Direktor des Instituts für
Ökumenische Forschung der Universität Tübingen. Küng bringt
in seinen Werken Reformvorschläge für die Gestaltung der katholischen
Kirche. Hauptwerke: »Rechtfertigung. Die Lehre Karl Barths und eine
katholische Besinnung« 1957; »Konzil und Wiedervereinigung« 1960;
»Strukturen der Kirche« 1962; »Kirche im Konzil« 1963;
»Die Kirche« 1967; »Unfehlbar?« 1970; »Menschwerdung
Gottes. Eine Einführung in Hegels theologisches Denken zu einer
künftigen Christologie« 1970; »Fehlbar?«1973; »Christ
sein« 1974; »Existiert Gott?« 1978; »Ewiges Leben?«
1982; »Christentum und Weltreligionen« (mit J. van Ess, H. von
Stietencron, H. Bechert) 1984; »Dichtung und Religion« (mit W. Jens)
1985; »Theologie im Aufbruch« 1987; »Christentum und chinesische
Religion« (mit J. Ching) 1988; »Projekt Weltethos«
1990; »Das Judentum« 1991; »Das Christentum«
1994.
Hans Küng ist davon überzeugt, daß die
Religionen der Welt nur dann einen Beitrag zum Frieden leisten können, wenn
sie miteinander ins Gespräch kommen. Auf internationaler Ebene werden die
Ideen von Küng längst diskutiert, aber wachsen und gedeihen
können sie nur, wenn an vielen Orten viele Menschen die Idee des Weltethos
aufnehmen und versuchen, danach zu leben.
Das „Projekt
Weltethos“ im August 1997 in Tirol
Die Idee:
Eva, Stefan und Tobias sind drei Studenten der
Hochschule in Tübingen. Sie arbeiteten u.a. auch im „Institut
für Ökumenische Forschung“, wo auch Hans Küng ist. Alle
drei hatten den Wunsch, endlich auch mal etwas Konkretes zu machen. Die Idee
stand schon länger im Raum, wie man Weltethos umsetzen kann. Somit entstand
die Idee ein Jugendcamp auf die Beine zu stellen.
Es waren zwei Phasen für dieses Camp geplant:
Zuerst sollten die Teilnehmer knapp eine Woche lang in den Bergen leben, jede
Religion in einer Hütte für sich. Anschließend sollten sie dann
alle gemeinsam in einem großen Haus leben. Diese zwei Phasen wurden
deshalb geplant, weil sich die Jugendlichen der drei Religionen erst einmal
untereinander kennenlernen sollten ( innerhalb ihrer Religionen
).
Das Camp:
B
ei der Unterbringung der Jugendlichen gab es
zunächst kleinere Probleme. Die Juden und Muslime lebten in zwei kleinen
Hütten nahe beieinander, die Christen hingegen in einer großen
Hütte, die etwas entfernt von den anderen lag ( ca. 20 min. Fußweg ).
Dies erwies sich im Nachhinein als gar nicht so schlimm, da die Christen nicht
nur die größte Gruppe waren, sondern auch die Unterschiedlichsten. Da
gab es römische Katholiken, Altkatholiken, Baptisten, Protestanten
verschiedener Richtungen, Freikirchler, usw.. Die brauchten erst mal eine sehr
intensive Zeit für sich, um ihren eigenen Standpunkt zu
finden.
Das die einzelnen Gruppen erst einmal alleine in ihren
Hütten lebten hatte auch den Grund, daß sie zuerst einmal gemeinsam
ein religiöses Selbstbild finden sollten. Denn die Dialogfähigkeit
funktioniert erst dann, wenn die eigene Identität klar umrissen ist.
Wichtig zu erwähnen ist auch, daß die
Jugendlichen nicht ganz auf sich allein gestellt waren. Alle Gruppen hatten auch
Begleitpersonen, die aus der selben Religion kamen.
Das Camp aus der Sicht eines
Juden:
Leider wurde das Camp in jüdischen Kreisen schlecht
publiziert. Dies war wohl dann auch der Grund dafür, daß nur so wenig
Juden Interesse an dem Camp zeigten.
Am Abend des ersten Tages debattierten die
jüdischen Teilnehmer über das Behandeln der Lebensmittel, da sie sich
an die koscheren Gesetze halten wollten.
Die Juden einigten sich darauf, daß sie nur
Milchprodukte verzehren wollten. Nachdem sie die Küche
„gekoschert“ hatten, beschlossen Sie, eine jüdische
Atmosphäre in ihrem Haus zu entwickeln ( Plakate, Gebete, Bücher
über das Judentum ).
Obwohl es von den Organisatoren geplant war, daß
die Angehörigen der drei Religionen erst einmal unter sich bleiben sollten,
kontaktierten die Juden die muslimische Gruppe, die ebenfalls nur aus wenigen
Teilnehmern bestand.
In den ersten Gesprächen ging es weniger um die
Religionen, sondern um Freizeitbeschäftigungen. Für die Teilnehmer war
es sehr wichtig, daß jeder menschlich ist und die anderen
respektiert |
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